Atomausstieg & Energiewende


Kein Grund für Strompreiserhöhungen

Foto: Eduard Belotti, Windkraftanlage Glött

Augsburgs Umweltschützer fordern Stadtwerke und LEW auf, die EEG-Umlage nicht als Vorwand für eine Erhöhung der Strompreise zu missbrauchen. Denn die gerade durch Solar- und Windstrom gesunkenen Einkaufspreise an der Strombörse verbessern die Geschäftslage im Stromhandel.

In früheren Jahren haben die Augsburger Stadtwerke wie die LEW Strompreiserhöhungen mit der EEG-Umlage und mit gestiegenen Preisen an der Strombörse begründet. Zum 1.1.2014 wird die EEG-Umlage um einen Cent je Kilowattstunde erhöht werden. Jedoch sind seit Sommer 2011 die Preise an der Strombörse um etwa 2,5 Cent je Kilowattstunde gesunken. Dadurch sparen gerade die Stadtwerke Geld, die viel Strom einkaufen.

Hauptursache für die gesunkenen Preise an der Strombörse ist das wachsende Angebot von Solar- und Windstrom. Denn seit 1.1.2010 muss nach dem Willen der damaligen Regierungsmehrheit grundsätzlich aller EEG-Strom über die Börse vermarktet werden. Da an der Börse die Stromerzeugungsanlagen nach ihren produktionsabhängigen Kosten aufgereiht ("Merit Order") werden und zum Zuge kommen, verdrängen die Solar- und Windanlagen immer mehr Gas-, Kohle- und Ölkraftwerke. Denn Solar- wie Windanlagen kosten zwar viel in der Anschaffung, haben aber fast keine produktionsabhängigen Kosten. Ob sie laufen oder nicht, verändert im Prinzip nicht ihre Kosten. Hingegen haben gerade die Gaskraftwerke hohe produktionsabhängige Kosten. Denn wenn sie laufen, müssen sie Brennstoff kaufen. Da zudem das teuerste Kraftwerk, das gerade noch benötigt wird, um die Stromnachfrage zu befriedigen, den Strompreis für alle an der Börse bestimmt, haben Sonne und Wind das Preisniveau an der Börse von durchschnittlich 6,3 Cent je Kilowattstunde im Frühsommer 2011 auf heute 3,8 Cent gesenkt.

Andererseits werden auch seit Anfang 2010 die EEG-Kosten als Differenz zwischen der garantierten Vergütung für die Anlagenbetreiber und dem Börsenpreis berechnet. So werden jetzt für den Strom aus neuen Windanlagen in Süddeutschland rund 9 ct/kWh bezahlt. Für neue Solaranlagen je nach Anlagengröße 10 bis 14 ct. Diese Vergütungen sind fix für 20 Jahre - ohne Inflationsausgleich. Deshalb wuchs durch den gesunkenen Börsenpreis die Differenz zu den EEG-Vergütungen für die Anlagenbetreiber und stiegen die EEG-Kosten. Jedoch werden die Stromhändler in fast gleichem Umfang durch die niedrigeren Börsennotierungen entlastet.

Die Umweltschützer vom Bund Naturschutz in Kreis und Stadt Augsburg fordern und bejahen die Energiewende. Die übergroßen Gefahren von Atomkraft und Atommüll verlangen nach einem schnellstmöglichen Ausstieg. Die Folgen eines Großunfalls in Gundremmingen wären schrecklich und unbezahlbar. Und die Lagerung unseres Atommülls wird unsere Nachkommen noch teuer zu stehen kommen. Auch der durch Verbrennung von viel zu viel Kohle und Öl forcierte Klimawandel wird gefährlich und teuer. Denn der Deichbau, die Flutfolgen, Ernte- oder Waldschäden wie in fernen Jahrzehnten auch Umsiedlungen werden Unsummen verschlingen.

Im Prinzip ist die EEG-Umlage eine gute Investition für eine zukunftstaugliche Stromversorgung. Eine gesundheits- und umweltfreundliche Stromversorgung aus bald 100 Prozent Erneuerbaren Energien ist unser Ziel.

Leider sind jedoch in den letzten Jahren die Kosten für die Stromversorgung immer ungerechter verteilt worden. Kleine und mittlere Betriebe wie auch die Privathaushalte müssen für Großverbraucher mitbezahlen. Und das bei der Stromsteuer, beim Netzentgelt und bei der EEG-Umlage. Seit Jahren hätte hier die Regierung handeln müssen anstatt die Bevölkerung gegen die Energiewende aufzustacheln! Auch im Raum Augsburg haben ungerechtfertigt Firmen ihren Anteil am Netzentgelt und der EEG-Umlage auf andere abwälzen können.

Vor Ort stemmen wir uns dagegen, dass EEG-Umlage und Energiewende missbraucht werden, um die Strompreise zu erhöhen. Stadtwerke und LEW tun gut daran, endlich den Weg zu einer zukunftsfähigen Stromwirtschaft einzuschlagen. Die Nutzung von Solar- und Windenergie haben sie bisher weitgehend verschlafen.

Dr. Eduard Belotti
Bund Naturschutz Ortsgruppe Augsburg

Raimund Kamm
Bund Naturschutz Augsburg

zuletzt aktualisiert: 11.08.2017