Glücksgefühle bei den Sensenmännern

Artikel in der Augsburger Allgemeinen vom 08.08.2018

Wer mähen möchte wie früher, braucht ein maßgeschneidertes Werkzeug und eine gute Technik. Beides bringt ein Verein den Menschen in einem Kurs näher.


Endspurt der Ausstellung Landschaftswandel in Schwaben

Wer die Ausstellung "Landschaftswandel in Schwaben", die der Bund Naturschutz im Bobinger Rathaus seit Juni präsentiert, noch sehen will, muss sich beeilen; denn am Nachmittag des 6. Oktober werden die Tafeln wieder abgebaut.

Die Fototafeln der Ausstellung dokumentieren anhand von Gegenüberstellungen alter und neuer Aufnahmen, wie tiefgreifend sich das Landschaftsbild in unserer Region in den letzten Jahrzehnten verändert hat, und laden den Betrachter zum Nachdenken ein. Landwirtschaftliche Flächen wurden durch Gewerbegebiete, Straßen und Siedlungen überbaut, mancherorts wurden auch neue Naturräume geschaffen. Und diese Veränderung geht rasant weiter: Beispiel ist die BMW- Ansiedlung in Kleinaitingen, der vierspurige Ausbau der B 300 bis Aichach oder die Planungen für eine Ostumfahrung von Königsbrunn.

Am Beispiel unserer Heimat wird so ein globales Problem sichtbar: Weltweit verschwinden in alarmierendem Tempo fruchtbare Böden. Die Verfasser einer kürzlich veröffentlichten Studie der Initiative Economics of Land Degradation, an der die Vereinten Nationen, die EU sowie das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit beteiligt sind, rechnen damit, dass in den kommenden zehn Jahren 50 Millionen Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat gezwungen sein werden, weil sie nicht mehr genug Nahrung anbauen können. Intakte Böden sind nicht nur für die Erzeugung von Lebensmitteln nötig; wir brauchen sie auch, um Wasser zu speichern und durch Bindung von Kohlenstoff Treibhausgase zu reduzieren. Die fruchtbaren Böden hierzulande sind ein Geschenk der letzten Eiszeit. Obwohl diese Ressource begrenzt ist, wird in Deutschland jeden Tag eine Bodenfläche zur Bebauung freigegeben, die der Größe von mehr als 100 Fußballfeldern entspricht. In Bayern kämpft der Bund Naturschutz derzeit mit der Petition "Bayerns Schönheit bewahren" gegen Bestrebungen des Heimat- und Wirtschaftsministeriums, den Bau von Gewerbegebieten auch in freier Landschaft zu ermöglichen. Der Bund Naturschutz in Bobingen erhofft sich, dass die gezeigte Ausstellung einen Anstoß zu einem verantwortlichen und nachhaltigen Umgang mit den Flächen unserer Heimat anstößt.


Dreißig Jahre Bund Naturschutz in Bobingen

Jahreshauptversammlung des Bund Naturschutz Bobingen am 11.1.2018

Zahlreiche Mitglieder und Gäste konnte Ottmar Vellinger, der langjährige Vorsitzende der Ortsgruppe Bobingen im Bund Naturschutz begrüßen, darunter Bürgermeister Bernd Müller, die Stadträte Waltraud Wellenhofer und Edmund Mannes, Vertreter benachbarter BUND-Ortsgruppen mit dem Kreisvorsitzenden Johannes Enzler und den Vorsitzendendes Bobinger Gartenbauvereins Peter Mannes.

In seinem Grußwort würdigte Bürgermeister Müller den Bund Naturschutz als wichtigen kritischen Dialogpartner der lokalen Politik, der seine Beiträge immer sachlich und konstruktiv vorbringe. Kritik äußerte er an der Aufgabe der Klimaziele bei den Berliner Koalitionsgesprächen, an der Glyphosat-Entscheidung des Landwirtschaftministers undplädierte für mehr Schutz der Insekten. Die Stadt Bobingen leiste hier ihren Beitrag, indemsie auf geeigneten Flächen Wildwuchs zulasse, wofür leider hätten nicht alle Bürger Verständnis hätten. Hier tue mehr Aufklärung und Information not.

Veronika Schwarzenberger berichtete über die Jugendarbeit. Derzeit gebe es nur Aktionen mit den Kleinen, für die Betreuung der Älteren werde immer noch eine interessierte Person gesucht.

Hartmut Schütze zeigte als Bobinger Biberbetreuer Bilder der recht aktiven Nagetiere und betonte, dass der Biber hier keine Probleme mache. Bei den Mitarbeitern des Bauhofsfinde er stets Unterstützung durch biberfreundliche Pflege der Singoldufer.

Anschließend trug der Vorsitzende Ottmar Vellinger den Jahresbericht 2017 der Ortsgruppe vor. Die Mitglieder pflegen eine Streuobstwiese und haben eine Holunderpflanzung angelegt. Außerdem verwerten sie Äpfel von Bäumen, die von ihren Besitzern nicht genutzt werden. Immer wieder werden sie angesprochen, wenn es um den Protest gegen Baumfällungen geht. Leider sind ihnen hier, auch wegen des Fehlens einer Baumschutzverordnung in Bobingen, oft die Hände gebunden. Ein buntes Angebot von Vorträgen trug zur Information und Meinungsbildung in Umweltfragen bei: Photovoltaik, ökologischer Zustand des Lechs, Nützlinge und Schädlinge im Hausgarten, Heilpflanzen. Im Grabener Gewerbegebiet gestaltete die Ortsgruppe auf Bitten einer Firma in unzähligen Arbeitsstunden zwei große Insektennistwände - völlig ehrenamtlich und ohneeine materielle Gegenleistung!

Der Kreisvorsitzende Johannes Enzler lobte anschließend die Bobinger Ortsgruppe als eine der aktivsten im Landkreis. Schwerpunktthemen der Kreisgruppe in diesem Jahrseien ökologische Stadtentwicklung, die Gewährleistung von Mobilität ohne großen Landverbrauch und der mögliche Beitrag der Landwirtschaft zum Artenschutz. Auch in Bobingen seien Landwirte gesucht, die sich an dem Projekt Wildlebensraumberater beteiligten. Im zweiten Teil des Abends blickte Ottmar Vellinger in einem Vortrag auf dreißig Jahre des Bestehens der Ortsgruppe Bobingen zurück. Gegründet wurde die Gruppe 1987 durchden damaligen Kreisvorsitzenden und letzten Sommer verstorbenen Dr. Rudolf Zinsmeister aus Straßberg. Seitdem ist sie von 80 auf 394 Mitglieder angewachsen. Von Anfang an lag ein Schwerpunkt in der Schaffung von Biotopen: Anlage einer Streuobstwiese und einer Benjeshecke, Ausbaggerung des verlandeten Diebelbachweihers und Renaturierung der ihn umgebenden Feuchtwiese mit Weidenfläche. Hartmut Schütze sorgt als Biberberater dafür , dass der Nager keine Probleme macht und wurde dafür von der Umweltministerin Ulrike Scharf ausgezeichnet.

Ohne Erfolg blieb leider die Mitte der 90er Jahre intensiv betriebene Bemühung, die Altlasten aus der Munitionsfertigung im Zweiten Weltkrieg zu erfassen und möglichst eine Sanierung der am schlimmsten betroffenen Flächen zu erreichen. Ebenfalls scheiterte dasProjekt, Teile des Singoldufers ökologisch aufzuwerten, an den komplizierten Eigentumsverhältnissen mit einer Vielzahl von Anliegern und bürokratischen Hürden. Ein weiterer Schwerpunkt lag immer in der Umweltbildung. 15 Jahre lang existierten feste Jugendgruppen. Unzählige Vorträge und Exkursionen zu den verschiedensten Themenwurden organisiert: Artenschutz, Energie und Klima, Landwirtschaft und Essen , Landschaftsverbrauch, Müll ... Betriebe aus der Sparte Umweltschutz und Recycling wurden besichtigt. Die seit Anfang bestehenden Gartenflohmärkte sind eine Erfolgsgeschichte.

"Was haben wir in 30 Jahren erreicht?" fragte Ottmar Vellinger abschließend. Seine Antwort: "Unsere Gedanken an die Jugend vermitteln - das haben wir viele Jahre versucht und tun es jetzt noch. Hier habe ich ein gutes Gefühl, dass die Saat aufgeht. Gerade das, was in Vorträgen vermittelt wird, kann nicht gemessen werden. Wir haben versucht, Themen die zukunftsweisend sind, frühzeitig aufzugreifen und ein Bewusstsein dafür zuschaffen. Die Aufgaben werden nicht weniger und nicht leichter. Inzwischen haben die meisten mitbekommen, dass die Bereiche Biodiversität und Klimawandel unser Lebengrundlegend verändern, verschlechtern oder gar vernichten können. Der schwierigste Teil der Aufgabe ist, unseren Mitmenschen zu vermitteln, dass wir das Thema "gutes Leben" nicht mit viel Konsum gleichsetzen können. Auch hier sind Vorbilder gefragt - Menschen, denen das Leben gelingt und die glücklich sind mit eingeschränktem Konsum und einer nachhaltigen Lebensweise. Für mich kann ich sagen - ich würde die BN-Arbeit wieder zu meiner Aufgabe machen".


Glatt abgesägt

Artikel in der Augsburger Allgemeine vom 7. März 2016


Keine-Mahnwachen-gegen-Atomkraft-mehr-in-Bobingen

Artikel in der Schwabmünchner Allgemine am 20.01.2016


Im Quartier wird's lebendig

Leserbrief von Peter Roth, erschienen in der Stadtzeitung Bobingen am 24. Februar 2016

Sehr geehrter Herr Gruber, zu dem Artikel "Im Quartier wird's lebendig" auf S. 2 der Bobinger Stadtzeitung vom 10.2.2016 möchte ich folgenden Leserbrief schreiben: In dem Artikel werden unter anderem folgende Ziele des Städtebau-Förderprogramm, von dem die Bobinger Siedlung profitieren soll, genannt: "bessere Gestaltung des öffentlichen Raumes sowie von Straßen, Wohnhöfen, Spielplätzen und Grünbereichen".

Die Siedlung bedarf dringend einer solchen Aufwertung, und Ideen gäbe es hier sicher ganz viele! Doch stimmt mich ein Vorfall der jüngsten Zeit pessimistisch. Das Zentrum der Siedlung wird von Wohnblocks geprägt, die von weitläufigen Grünanlangen eingerahmt sind. Früher in genossenschaftlichem Besitz, wurden diese vor wenigen Jahren von einem Investor aufgekauft. Dieser hat vor ein paar Jahren schon den alten Baumbestand zwischen den Häusern südlich der Kirche fast völlig entfernt und diesen Januar den Kahlschlag auf den Anlagen nördlich des Wertachzentrums fortgesetzt - vermutlich um Kosten bei der Pflege des Geländes zu sparen. Dieser radikalen Aktion sind über 40 vierzigjährige Bäume von einem halben Meter Stammumfang zum Opfer gefallen - Schattenspender, Luftfilter, Lebensraum für Vögel und Insekten, Freude der Spaziergänger. Alle Mitbürger, mit denen ich gesprochen habe(auch alteingesessene Mieter der betroffenen Blöcke!), sind traurig und wütend. Die Siedlung ist damit, gelinde gesagt, nicht schöner geworden. Solange sich die Stadt Bobingen keine Baumschutzverordnung gibt, wird sie auch künftig solchen Aktionen von Einzelpersonen machtlos zusehen müssen und kann nur auf den guten Willen der Beteiligten hoffen. Mit freundlichen Grüßen Peter Roth