Geschichte des Stickstoffs - Vom Weizenproblem zur Überdüngung

Vortrag von Jens Soentgen (zusammen mit dem Weltladen)

Datum
18.11.2019

Ort
Bobingen, Ev. Kirche - Gemeindesaal

Die Luft, die wir atmen, besteht zu 78 Prozent aus Stickstoff. Doch der reine Luftstickstoff ist für das Leben nicht verwertbar. Verwertbar für das Leben ist nur reaktiver Stickstoff, in Gestalt etwa von Ammoniak oder Salpeter. Dieser reaktive Stickstoff ist ein unentbehrlicher Pflanzennährstoff und wurde daher seit dem 19. Jahrhundert z.B. in Gestalt von Chilesalpeter auf die Felder gebracht. Zugleich ist reaktiver Stickstoff die Grundlage fast aller herkömmlichen Spreng- und Explosivstoffe. Doch in der Natur ist dieser Stickstoff knapp, was den Landwirten und auch den Militärs Kopfzerbrechen machte. Erst mit dem Haber-Bosch-Verfahren steht reaktiver Stickstoff seit rund 100 Jahren in prinzipiell beliebiger Menge zur Verfügung.

Die Erfindung und Umsetzung des Haber-Bosch Verfahrens hat Geschichte gemacht; sie wurde die wichtigste Erfindung aller Zeiten genannt. Nicht ohne Grund: denn zum einen verlängerte sie den 1. Weltkrieg, der aufgrund von Munitionsmangel ansonsten schon 1915 zu Ende gewesen wäre. Zum anderen hat das Haber-Bosch-Verfahren nach 1918 weltweit die landwirtschaftliche Produktion revolutioniert und das Bevölkerungswachstum (wie andererseits auch die Materialschlachten) des 20. Jahrhundert ermöglicht. Auf allen Kontinenten stehen heute Haber-Bosch Anlagen. Und das hat ökologische Folgen: Heute begegnet uns reaktiver Stickstoff nahezu überall, im Grundwasser, in der Luft, im Boden und hat vielerorts unerwünschte Wirkungen, insbesondere in den Ökosystemen der Meere.

Privatdozent Dr. Jens Soentgen, Geschäftsführer des Wissenschaftszentrums Umwelt an der Universität Augsburg, erzählt in seinem Vortrag, zu dem Bund Naturschutz und Weltladen einladen, die spannende Geschichte dieser Nutzen und Schaden zugleich stiftenden Substanz. Die Veranstaltung findet am Montag, den 18. November, um 19.30 Uhr im Gemeindesaal der Evangelischen Kirche Bobingen statt. Der Eintritt ist frei.