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Rundbriefe der Kreisgruppe

Neubau Uniklinik – Freistaat verschiebt Zeitplan erneut

BUND Naturschutz fordert ergebnisoffene Neubewertung der Standortalternativen

28.06.2026

Die Bayerische Staatsregierung rechnet für den Neubau der Uniklinik Augsburg inzwischen mit einer Fertigstellung zwischen 2040 und 2043. Damit verliert nach Auffassung des BUND Naturschutz das bisherige Hauptargument für die Bebauung des Klinikparks – der Zeitvorteil der Westlösung – seine Grundlage. Die Naturschutzorganisation fordert deshalb weiterhin eine ergebnisoffene Prüfung der Standortalternativen und warnt vor weiteren Vorfestlegungen zugunsten des Baufelds „West“.

Zeitvorteil verliert seine Grundlage

Nun haben wir es seit dieser Woche schriftlich von der Bayerischen Staatsregierung. Bei den öffentlichen Informationsveranstaltungen im vergangenen Jahr wurde den Bürgerinnen und Bürgern wiederholt eine Fertigstellung der neuen Uniklinik für das Jahr 2038 in Aussicht gestellt. Schon kurz nach Beginn des Bebauungsplanverfahrens in diesem Frühjahr zeigt sich jedoch, dass sich diese Zeitplanung deutlich nach hinten verschoben hat.

Die Bayerische Staatsregierung rechnet inzwischen mit einer Fertigstellung zwischen 2040 und 2043 (➜ Augsburger Allgemeine vom 24.6.2026). Mit der neuen Terminplanung verliert das bisherige Hauptargument für die Bebauung des Klinikparks im Westen seine Grundlage. Immer wieder wurde darauf verwiesen, dass nur die Westlösung einen möglichst schnellen Ersatz des bestehenden Klinikgebäudes ermögliche.

Gerade bei Großprojekten sind Terminprognosen mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Das zeigt sich auch in Augsburg. So sollte der Anbau West der Uniklinik nach den ursprünglichen Planungen bereits 2018 in Betrieb gehen. Tatsächlich wurde er erst acht Jahre später, im Frühjahr 2026, eingeweiht. Gleichzeitig stiegen die Baukosten von ursprünglich rund 106 auf rund 190 Millionen Euro. Auch die Mobilitätsdrehscheibe und die Theatersanierung verdeutlichen, dass sich Bauvorhaben dieser Größenordnung regelmäßig um Jahre verzögern können.

Mehr Zeit eröffnet neue Chancen für die Ostlösung

Der BUND Naturschutz hat das Zeitargument deshalb von Anfang an kritisch bewertet. Verantwortungsvolle Planung bedeutet, den bestehenden Klinikbetrieb unabhängig vom gewählten Standort so abzusichern, dass die medizinische Versorgung auch bei Verzögerungen des Neubaus jederzeit gewährleistet bleibt. Sollte sich der Neubau weiter verzögern, muss das bestehende Klinikgebäude entsprechend länger betrieben werden können.

Ein Neubau im Baufeld „Ost“, wie ihn unter anderem die Stadt Neusäß (➜ Augsburger Allgemeine vom 4.5.2026), der Landkreis Augsburg und der BUND Naturschutz fordern (➜ BN Stellungnahme der Kreisgruppe Augsburg, 28.4.2026), erfordert zwar eine aufwändigere Bauvorbereitung, dafür bleibt jedoch der ökologisch wertvolle Klinikpark erhalten. Zudem würde sich auch der Neubau städtebaulich deutlich besser in den bestehenden Klinik­standort einfügen, da überwiegend bereits bebaute oder anderweitig genutzte Flächen in Anspruch genommen werden. Zur Bauvorbereitung müssen bestehende Nutzungen verlagert, Gebäude zurückgebaut sowie Leitungen und technische Infrastruktur angepasst werden. Diese Arbeiten können jedoch frühzeitig beginnen. Angesichts der inzwischen deutlich längeren Projektlaufzeit fällt dieser zusätzliche Vorbereitungsaufwand im Gesamtzeitplan deutlich weniger ins Gewicht.

Gerade in einer Woche, in der Bayern unter Temperaturen von über 40 °C leidet und der Freistaat zugleich sein Ziel aufgibt, bereits 2040 klimaneutral zu werden, wäre die Rodung von mehr als 1.300 Bäumen im Klinikpark ein klimapolitisch völlig falscher Schritt. Ein fragwürdiger und unsicherer Zeitvorteil darf bei einer Standortentscheidung mit weitreichenden Folgen für Natur, Klima und die Lebensqualität der Menschen nicht den Ausschlag geben.

Warum schon jetzt ein Architektenwettbewerb?

Umso unverständlicher ist es, dass bereits jetzt ein Architektenwettbewerb ausschließlich für das Baufeld „West“ vorbereitet wird. Gerade die Standortentscheidung ist Gegenstand des laufenden Bebauungsplanverfahrens. Sind die Verantwortlichen sich tatsächlich sicher, dass die Bedenken und Anregungen aus der Bürgerbeteiligung sowie die Stellungnahmen der Fachbehörden, Nachbarkommunen und Naturschutzverbände daran nichts mehr ändern können?

Ein Architektenwettbewerb dieser Größenordnung bindet erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen. Sollte sich im weiteren Verfahren herausstellen, dass die Westlösung fachlich oder rechtlich nicht tragfähig ist, wären große Teile dieser Planungen vergeblich. Das würde nicht nur erhebliche Mehrkosten verursachen, sondern auch den Zeitplan des Gesamtprojekts bedeutend weiter verzögern.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den Umstieg

Wir appellieren deshalb eindringlich an die Verantwortlichen im Freistaat Bayern, an die Abgeordneten des Bayerischen Landtags sowie an die Planenden der Stadt Augsburg: Zeigen Sie Mut und überdenken Sie die bisherige Festlegung auf die Westlösung. Wagen Sie den Umstieg auf die realistische und deutlich konfliktärmere Standortalternative im Baufeld „Ost“.

Retten Sie damit den Klinikpark – einen einzigartigen Natur- und Erholungsraum für Patientinnen und Patienten der Uniklinik und des Bezirkskrankenhauses, für Studierende, Beschäftigte und die Menschen der angrenzenden Stadtteile. Bewahren Sie seinen alten Baumbestand, seine wichtige Funktion für das Stadtklima und seine vielfältige, zum Teil geschützte Tier- und Pflanzenwelt.

Zum 50-jährigen Bestehen des Klinikparks im kommenden Jahr wäre es ein starkes Zeichen, diesem für Mensch, Natur und Stadtklima gleichermaßen wertvollen Ort eine Zukunft zu geben.
 

Seit März 2025 engagiert sich ein verbandsübergreifender Unterstützerkreis für den Erhalt des Klinikparks und eine transparente Standortentscheidung. In diesem Kreis arbeiten Mitglieder des BUND Naturschutz (Kreisgruppe Augsburg sowie Ortsgruppen Neusäß, Stadtbergen und Augsburg), der ➜ Baumallianz Augsburg und der ➜ Naturschutzallianz Augsburg sowie weitere unabhängige Unterstützer zusammen.

Neben dem ehrenamtlichen Engagement sind wir insbesondere für die fachliche und rechtliche Begleitung auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Wenn Sie unser Engagement unterstützen möchten, freuen wir uns über Ihre Spende.

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Die Politik hat sich festgelegt. Nur mit Ihrer finanziellen Hilfe können wir die notwendigen rechtlichen Prüfungen vorbereiten und das weitere Verfahren konsequent begleiten.

BUND Naturschutz, Kreisgruppe Augsburg
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Stichwort: Neubau Uniklinik

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Kontakt

Dr. Dietmar Kuhlmann
Mitglied des Vorstands der Kreisgruppe Augsburg
dietmar.kuhlmann@bund-naturschutz.de